Von Industrie bis Handwerk, von den großen Global Playern bis zu kleinen und mittleren Unternehmen – alle klagen sie über einen Mangel an Auszubildenden. Doch wie stellt sich die Lage auf dem Azubi-Markt wirklich dar und wie kann man als Unternehmen sicherstellen, trotzdem geeignete Auszubildende zu finden?

Kaum ein Thema im HR-Bereich wird so kontrovers diskutiert wie der Mangel an Auszubildenden. Insbesondere für technische und handwerkliche Berufe gebe es zu wenige Bewerber – oder jedenfalls zu wenig geeignete. Doch auch gegenteilige Ansichten werden geäußert: So schrieb der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Anfang 2017 auf Basis einer Kurzstudie sogar „Azubi-Mangel? Gibt es nicht!“.

Ein Blick ins Detail zeigt ein differenzierteres Bild: Zwar geht die Anzahl an Schülern, und damit an potenziellen Azubis, tatsächlich zurück, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen. Gleichzeitig finden Jahr für Jahr tausende Schüler keinen Ausbildungsplatz. Doch wie passen diese Einzelbeobachtungen zusammen?

Es gibt mehrere Faktoren, die diesen scheinbaren Widerspruch erklären. So zeigt sich zwar ein allgemeiner Rückgang der Schülerzahlen, womöglich aufgrund des demographischen Wandels. Dabei treten aber große regionale Unterschiede auf: In vielen Regionen gab es keinen signifikanten Rückgang, in einigen Bundesländern wie den Stadtstaaten Berlin und Hamburg nahmen die Schülerzahlen sogar zu. Die Frage nach dem Azubi-Mangel sollte also zunächst regional differenziert werden: Es lässt sich ein Drift weg von den ländlichen Räumen hin zu urbanen Ballungszentren aufzeigen, der in ländlicheren Regionen potenziell einen Azubi-Mangel schaffen könnte. In Ballungszentren könnten zeitgleich Azubis bei der Ausbildungsplatzsuche leer ausgehen.

Auch bezüglich der besuchten Schularten ist Bewegung zu verzeichnen. Immer mehr Schüler schließen ihre Schullaufbahn direkt oder im zweiten Bildungsweg mit dem Abitur oder dem Fachabitur ab. Da der größte Teil der Abiturienten allerdings ein Studium und keine Ausbildung aufnimmt, verkleinert diese Entwicklung den Markt an potenziellen Auszubildenden.

Es zeigt sich also ein gespaltenes Bild: Es gibt tatsächlich einen Mangel an Auszubildenden. Allerdings liegt dies eher an regionalen Unterschieden und am gestiegenen Bildungsniveau. Die Kernaufgabe sollte also sein, die gut ausgebildeten Schulabgänger optimal auf die verschiedenen Bildungsangebote (Berufsausbildung, Studium) zu verteilen. Dass es dabei noch Defizite gibt, zeigt die hohe Zahl an Studienabbrechern, die eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul-und Wissenschaftsforschung (DZHW) feststellte. Immer mehr Studenten merken, dass ein akademisches Studium nicht ihre Zukunft ist – und ihr persönliches Glück möglicherweise eher in einer Berufsausbildung liegt.

Hilfreich, um die Verteilung von Bewerbern auf die verschiedenen Bildungsangebote zu optimieren, könnten Selbsteinschätzungstools (Online-Self-Assessments) sein, bei denen Schüler ihre Berufsinteressen und ihre Fähigkeiten einschätzen. ALPHA-TEST bietet Schülern dafür einen kostenlosen Berufsorientierungstest (unter www.schule.alpha-test.de) an. Auf dieser Basis können die Schüler sich ein realistisches Selbstbild erarbeiten. Möglicherweise werden sich daraufhin mehr Abiturienten für eine Ausbildung entscheiden oder auch mehr junge Frauen für technische Berufe.