Nach wie vor erfreuen sich Schulnoten in der Personalauswahl großer Beliebtheit. Unklar ist jedoch, wie aussagekräftig Schulnoten für den Erfolg im Beruf wirklich sind – gerade in Zeiten von Noteninflation und drastischen Länderunterschieden im Schulsystem.

Schulnoten zählen zu den häufigsten Variablen der Personalauswahl, insbesondere in den Bereichen Berufsausbildung und DH-Studium. Die Mehrheit der Personalverantwortlichen erhofft sich, aus Schulnoten Rückschlüsse über den Berufserfolg und die Leistung von Bewerbern ziehen zu können. Es ist jedoch fraglich, ob Noten dafür wirklich aussagekräftig genug sind. Es bestehen Zweifel, ob Schulnoten tatsächlich nur die Leistung des Schülers, oder auch Bewertungstendenzen des Lehrers, Sympathie zwischen Lehrer und Schüler oder gar Diskriminierungen wiedergeben. Das müsste in differenzierten Studien ausführlicher beleuchtet werden.

Ein auffälliges Phänomen der letzten Jahre ist die sogenannte „Noteninflation“: In den meisten Bundesländern werden die Abiturnoten von Jahr zu Jahr besser – obwohl immer mehr Schüler das Abitur machen. So stieg die Durchschnittsnote Berliner Abiturienten in zehn Jahren von 2,7 auf 2,4, während sie in einigen wenigen Ländern wie Baden-Württemberg konstant blieb. Insgesamt reichte die Spanne der Durchschnittsnoten der 16 Bundesländer von 2,18 bis 2,58, beinahe eine halbe Note.

Die Noteninflation könnte zur Folge haben, dass inflationär vergebene Schulnoten nicht mehr ausreichend zwischen guten und schlechten Schülern differenzieren können („Deckeneffekt“) und Vergleiche zwischen Schülern aus verschiedenen Bundesländern nicht mehr möglich sind. Dies lässt auch den Wert von Noten in der Personalauswahl zweifelhaft erscheinen.

Daneben fällt auf, dass sich die Schulsysteme der Länder durch den Bildungsföderalismus und häufige Reformen deutlich unterscheiden. Das wirkt sich auch auf die Noten aus: So müssen Berliner Abiturienten keine Prüfung in Mathematik ablegen, während dies etwa für baden-württembergische Schüler Pflicht ist. Da die Mathematiknote für viele Berufsfelder die aussagekräftigste Einzelnote ist, könnte das die Vergleichbarkeit der Schulnoten weiter einschränken. Im Internet findet man gar Abitur-Vergleichsrechner, die demonstrieren, dass ein Schüler mit den exakt selben Fächernoten durch unterschiedliche Verrechnungsregeln und Kompensationsmöglichkeiten in Nordrhein-Westfalen sein Abitur mit 2,6 bestünde, in Baden-Württemberg hingegen glatt durchfiele.

Doch wenn Schulnoten nicht aussagekräftig genug sind, worauf sollte eine effiziente Personalauswahl stattdessen basieren? Empfehlenswert sind hier standardisierte Leistungstests, mit denen man Bewerber objektiv und in vergleichbarer Weise testet. Dadurch ist sichergestellt, dass die Anforderungen an alle Bewerber gleich hoch sind und niemand bevorzugt oder benachteiligt wird. Im Gegensatz zu Schulnoten sind Leistungstests so konstruiert, dass mit ihnen etablierte psychologische Konstrukte wie Intelligenz oder Planungsfähigkeit gemessen werden können. Eine Beeinflussung durch voreingenommene, nachsichtige oder strenge Lehrerurteile ist daher ausgeschlossen. Zudem können gezielt jene Leistungsmaße gemessen werden, die für das konkrete Berufsbild auch wirklich von Interesse sind – statt für alle Berufsfelder dieselbe Durchschnittsnote verwenden zu müssen.

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