Ein wiederkehrendes und seit Jahrzehnten behandeltes Thema in der Persönlichkeitstestung und der Forschung zur Persönlichkeitspsychologie betrifft die mögliche Verfälschung der Testergebnisse durch die Testteilnehmer. Neben Tendenzen im Antwortverhalten der Kandidaten, wie Zustimmungstendenz oder Tendenz zur Mitte, ist insbesondere der Einfluss sozial erwünschten Antwortverhaltens eine mögliche Quelle unerwünschter Varianz.

Eine einheitliche Definition für den Begriff „soziale Erwünschtheit“ gibt es nicht. Ein Grund hierfür sind verschiedene Ausdrücke in der Fachliteratur, wie „faking“, „social desirable responding“ oder„impression management“, die häufig unter dem Begriff Antwortverzerrung („response distortion“) subsumiert werden. In der Regel wird hierbei jedoch von einem willentlichen Verfälschen der Testergebnisse in die vom Testanden als für ihn günstig angenommene Richtung gesprochen. Ist dies nun ein Problem für die Anwendung von Persönlichkeitstests in der Bewerberauswahl?

Entwickler von Skalen zur Erfassung und Korrektur sozialer Erwünschtheit und Kritiker der Personalauswahl mit Persönlichkeitsmaßen sehen darin ein einschneidendes Problem. Eine Erfassung und Korrektur ist allerdings nur dann notwendig, wenn auch tatsächliche Einbußen in der Validität der Persönlichkeitsskalen für die Bewerberauswahl vorliegen. Tatsächlich konnte aber in der einschlägigen Forschung keine Beeinträchtigung der Kriteriumsvalidität in Zusammenhang mit der Bewerberauswahl festgestellt werden (Ones, Viswesvaran, & Reiss, 1996).

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass möglicherweise auftretende Antwortverzerrungen nicht gegen die Verwendung von Persönlichkeitsmaßen in der Personalauswahl sprechen.

Trotz der nachgewiesenen Kriteriums- und Konstruktvalidität argumentieren einige Forscher, dass die Bewerberauswahl dennoch beeinflusst werden kann, da sich die Rangfolge der Bewerber ändern könnte. Mit welchen Methoden dieser Problematik zu begegnen ist, lesen Sie in unserem Projektbeitrag.